Der Turmbau zu Babel? Nein, der Dombau zu Linz!
Fundraising und Projektmanagement 1.0 1


Der Turmbau zu Babel? Nein, der Dombau zu Linz!
Fundraising und Projektmanagement 1.0

Ich habe fast 400 Stufen auf den Turm des Mariendoms in Linz überwunden. Es zahlt sich aus, der Blick ist atemberaubend. Noch viel interessanter allerdings ist die Geschichte des Dombaus: sie ist ein wahrhaftig großartiges Lehrbeispiel für innovatives Marketing und Fundraising.

Der Dom musste zu 100% aus Spenden finanziert werden. Fundraising war also auch schon Mitte des 19. Jahrhunderts ein Thema. Das Spendenaufkommen war gut, aber ein Dombau ist finanzintensiv. Zu Beginn der Bauarbeiten war der Dom noch nicht ausfinanziert. So beschloss der damalige Bischof Franz Joseph Rudigier, die Baureihenfolge strategisch klug zu wählen, auch wenn diese damals sicher für Kopfschütteln sorgte:

Zuerst wurde die Votivkirche gebaut. Dann folgte der Turm. Und erst zum Schluss folgte das Querschiff und Langhaus. Soll heißen: zuerst entstand das eine Ende, dann das andere und die zentrale Mitte folgte als letzter Bauteil.

Mit der Votivkirche sorgte der Bischof dafür, dass der Dom funktionstüchtig war und genutzt werden konnte. Die Kirche wurde mit einer provisorischen Mauer fertiggestellt – die Ziegel lagern übrigens immer noch am Dachboden des Doms.

Dann folgte der Turm, das Symbol, das weit über die Stadt hinaus sichtbar sein würde. Er sollte das Zeichen setzen, dass hier ein wahrhaft großes Gotteshaus entstehen sollte. Alle Gläubigen in Linz – damals etwas 20.000 Menschen – sollten darin Platz finden. 1901 wurde der Turm fertiggestellt.

Der Dombau zu Linz

Der Dombau zu Linz
(c) Mit freundlicher Genehmigung der Diözese Linz

Jetzt fehlte immer noch das Querschiff und Langhaus. So sah der Dom aus: vorne ein Teil, hinten ein Teil, in der Mitte nichts. So konnte der Dom doch nun wirklich nicht bleiben: Unfertig und damit kein wirkliches Meisterwerk auf das die Linzer stolz sein konnten.

Alle aber wollten stolz sein auf „Ihren“ Dom. Nach 40 Jahre Bauzeit war der Dom bereits Teil der Linzer Geschichte und liebgewonnen. Ganz genau: liebgewonnen.

Das ist die strategisch kluge Entscheidung von Rudigier. Er lässt die markanten Enden zuerst bauen: den der wirklich notwendig ist, die Votivkirche, und den der wirklich imposant ist und emotional bindet, den Turm. Der Turm sollte fast so hoch werden wie der des Stephansdoms, nur zwei Meter würden fehlen. Ein starkes Zeichen einer Provinzstadt wie Linz. Und, der zweite Clou: die Enden machen auch klar, dass in der Länge, Breite und Höhe des Langhauses nicht mehr gespart werden kann. Es muss beide Teile verbinden.

Die Spendenbereitschaft der Linzer war entsprechend großzügig. Der Linzer Dom sollte fertiggestellt werden und die Linzer Glaubensgemeinschaft bereichern. 1924 folgte die Einweihung mit Langhaus und Querschiff.

Für das Fundraising und das Implementieren von großen Projekten, für die wir die Unterstützung von anderen benötigen, heißt das:

  1. Die Funktion sicherstellen. Denn an ihr werden wir gemessen, wenn sie nicht oder nur eingeschränkt vorhanden ist. Die Funktion ist die Grundvoraussetzung dafür, dass wir mit Dingen zufrieden sind und sie annehmen. Das ist unser geistiges Abhaken der Frage, ja oder nein.
  2. Emotionale Bindung schaffen. Wenn wir uns mit etwas identifizieren, wir etwas als Teil von uns selbst oder unserer Geschichte wahrnehmen, fühlen wir uns dafür verantwortlich. Wenn wir schon einen Teil des Weges gegangen sind, tun wir Menschen uns sehr schwer abzubiegen oder umzudrehen. Wir haben den inneren Antrieb unseren Entscheidungen treu zu bleiben.
  3. Mutig neue Wege beschreiten, wenn wir große Pläne haben. Große Pläne erfordern Mut und Glauben an das Gelingen.

In diesem Sinn: mit Herz und Verstand in die neue Woche!


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